Kleinanleger spucken Hedgefonds in die Suppe

Seit einigen Tagen geistern Meldungen durch die Gegend, nach denen Kleinanleger mit gezielten Absprachen in Foren und Investitionen in angeschlagene Unternehmen für Irritationen und Verluste bei Hedgefonds sorgen.

Dabei habe man beispielsweise in Unternehmen wie Gamestop investiert, die unter wachsenden Problemen leiden und deren Geschäftsmodell durch die Coronakrise weiter unter Druck gerät. Läden wie Gamestop leben mit ihren vielen Filialen von Laufkundschaft, die ihre gebrauchten Spiele dort zu Geld machen. In Coronazeiten greifen aber immer mehr Konsumenten auf Onlinekäufe und Verkäufe zurück. Und online ist der Markt hart und die Konkurrenz groß. Für professionelle und institutionelle Investoren ein klarer Fall, bei solchen Unternehmen darauf zu wetten, dass die Umsätze stagnieren oder sinken. Mit sogenannten Leerverkäufen haben Spekulanten also auf den weiteren Sinkflug von Unternehmen wie Gamestop gewettet.

Bei Leerverkäufen leiht man sich das, womit man wetten will – hier Aktien bzw. Aktienpakete. Nach einer gewissen Frist muss man die Aktien dann zurückgeben. In der Zwischenzeit werden die Aktien verkauft, um sie später, nachdem die Kurse – wie gettet – gefallen sind, wieder günstig einzukaufen. Danach kann der Spekulant die Leihgabe zurückgeben und hat durch diesen Leerverkauf (der Handel mit Finanzprodukten, die einem selbst nicht gehören) einen Gewinn erzielt.

An der Stelle haben die Kleinanleger den Hedgefonds jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem sie die Kurse besagter Unternehmen durch Investitionen hochgetrieben haben. Im Falle von Gamestop um hohe dreistellige Punkte. Das führt dann dazu, dass die großen Anleger mit ihren Leerverkäufen auf die Nase fallen, weil sie mit ihrer Wette falsch liegen. Da sie die geliehen Aktien zurückgeben müssen, können sie das entweder gar nicht oder sie müssen die mit Gewinnabsicht verkauften Aktien zu einem höheren Kurs wieder kaufen, was zu einem Verlust im Saldo führt. Das ist für die Heuschrecken natürlich sehr ärgerlich. Für den Beobachter allerdings zumindest amüsant. Denn die Geschädigten gehen selbst gerne über Leichen, wenn es darum geht, Unternehmen kaputt zu machen, sie zu zerlegen, für den eigenen Gewinn Angestellte zu entlassen oder ihrem asozialen Treiben sonst wie freien Lauf zu lassen. Hauptsache, der Dollar klingelt.

Inzwischen haben sich auch Parlamente der Thematik angenommen. Absprachen sind halt immer so eine Sache. Aber sind wir mal ehrlich. Wenn sich die großen institutionellen Anleger über Regeln und auch Gesetze hinwegsetzen und teilweise große Konzerne und Staaten ins Wanken bringen, hört man auch nichts von Reue. Es ist auch witzig, dass gerade jene, die ständig vom freien Markt bzw. der freien Kräfte am Markt sprechen, jetzt den Staat ersuchen, dem Treiben der Kleinanleger Einhalt zu gebieten. Da haben die Kleinanleger doch mal einen Daumen hoch verdient – gut gemacht!

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