Kinder und Corona-Maßnahmen

Ich bin selbst Vater von drei Kindern und sehe natürlich auch die teils skurril wirkenden Bilder und Filme, bei denen an sich harmlose Schlittenfahrten oder sonstige Aktivitäten zu illegalen Treffen erklärt werden, die von der Polizei aufzulösen sind. Klar, die Polizei setzt die Vorgaben um, die ihr aufgetragen werden und die sie aufgrund von Gesetzen umsetzen muss. Die Polizei hat dabei nicht zu entscheiden, ob diese Gesetze sinnvoll sind oder nicht. Es ist an dieser Stelle auch müßig, darüber zu diskutieren, ob es an der Zeit oder an der Stelle wäre, dass sich ausführende Beamte solchen Anweisen widersetzen sollten. Solch eine Sichtweise geht mehr oder weniger Unbeteiligten leicht und gerne durch den Kopf. Durchaus fraglich ist indes, ob das mit dieser teils unverhältnismäßigen Härte passieren muss. Dabei spreche ich noch gar nicht von ausgekugelten Gelenken oder blauen Flecken.

Mir geht es vielmehr um das, was bei jungen Menschen ausgelöst wird, wenn sie hautnah miterleben, wie vollkommen normale Aktivitäten von der Staatsmacht unterbunden und sogar bestraft werden. Ich spreche also mehr von den mentalen und psychischen Nachwehen dieser Corona-Maßnahmen. Was entwickelt sich wohl in den Köpfen von Kindern und Jugendlichen, wenn sie ihren Freund und Helfer erleben, wie er derart in ihr Leben eingreift? Klar, das hängt natürlich vom Kontext und ihrer Umgebung ab. Leben sie in Umgebungen, in denen die Corona-Maßnahmen für absolut notwendig gehalten werden, wird ihnen das auch so vermittelt. Allerdings dürften jene Kinder dann auch eher selten in entsprechende Konflikte mit der Polizei geraten.

Unbestritten ist das ein Dilemma. Denn auf der einen Seite muss der Staat seine Regeln, die er aufgestellt hat, durchsetzen. Auf der anderen Seite produziert er zumindest in einem gewiss nicht unerheblichen Umfang junge Leute, die sich mental von ihm und seinen Ordnungshütern entfernen und/oder abwenden. Kein Jugendlicher wird von einem Staat begeistert sein, der seine Zukunft vergeigt, ihn im Winter bei offenen Fenstern in der Schule sitzen lässt, ihm verbietet, sich mit Freunden zu treffen oder der auf der Rodelbahn wie ein Schwerverbrecher abgeführt wird.

Die Corona-Maßnahmen werden verheerende Resultate auf allen Ebenen zurücklassen. Aber gerade über das, was mit unseren Kindern passiert, wird noch viel zu wenig gesprochen. Sie sind diejenigen, die auf der Grundlage der jetzigen Ereignisse ihr Leben gründen. Und das nicht nur auf dem wirtschaftlichen Ruin, der hinterlassen wird, sondern auch auf dem mentalen Erbe der Krise, vollkommen unabhängig davon, wie notwendig die Maßnahmen nun konkret waren oder auch nicht. Was bislang angerichtet wurde, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Davon, wie schulische Noten während der Corona-Maßnahmen zustande kommen und ob sie dem tatsächlichen Leistungsniveau entsprechen, haben wir noch gar nicht gesprochen. Wie wir von vielen anderen Problemen noch nicht gesprochen haben. Am Ende bleibt einmal mehr die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und der Notwendigkeit. Es zählen nicht nur die nackten Zahlen zu Infizierten, Erkrankten und Verstorbenen. Es zählen auch die unglaublichen Kollateralschäden, von denen manche noch gar nicht sichtbar sind.

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