Abschied von Peter Marx

Mit großer Betroffenheit habe ich gestern vom Tod unseres Parteikameraden und Freundes Peter Marx erfahren, der nach langer und schwerer Krankheit von uns gegangen ist. Der Familie gilt meine tief empfundene Anteilnahme.

Ich möchte euch an dieser Stelle keine bloße Aneinanderreihung von Daten präsentieren, sondern mich auf ein paar persönliche Worte konzentrieren, weil Peter für mich und meinen politischen Werdegang eine herausragende Bezugsperson war. Aber auch abseits politischer Belange war er eine besondere Persönlichkeit, ein Kamerad und Freund.

Als ich Peter vor über 25 Jahren kennenlernte, war das in vielerlei Hinsicht prägend für mein Leben, wie ich es heute führe. Vielleicht wäre ich ohne ihn nie parteipolitisch aktiv geworden. Peter Marx war einer meiner ersten Kontakte zur NPD und darüber hinaus ganz anders, als man es aus der Berichterstattung vermuten konnte. Er war ein freundlicher und überragend intelligenter Mann, der von politischem Ideenreichtum durchdrungen war. Von Hass und unreflektiertem Gebrüll keine Spur. Neben seiner Familie gab es für ihn nichts anderes, als sich rund um die Uhr Gedanken darüber zu machen, wie politische Überlegungen und Strategien aus der Theorie in die Realität übertragen werden können. Für mich war dieser beißende – aber positive – Ehrgeiz durchaus persönlichkeitsbildend. Wir saßen unzählig oft bis tief in die Nacht beisammen und sprachen über Strategien und Taktik, machten uns Gedanken, wie man politische Propaganda richtig verpacken müsse. Es ging aber nicht nur um die Botschaft, sondern auch um ernsthafte, politische und tiefgründige Erwägungen. Ihm war immer klar, dass der Mensch ebenso wenig ein- oder zweidimensional ist, wie politische Begebenheiten an sich. Seine realitätsbezogene und nüchterne Sicht auf die Dinge und die Erkenntnis, dass die Welt unermesslich vielschichtig ist, waren für mich die Grundlage, die Umwelt und Problemstellungen auch so zu verstehen. Dass ich Dinge für mich selbst bis in die tiefsten Ebenen hinterfrage, wird nicht zuletzt auf ihn zurückzuführen sein.

Ich weiß, dass Peter auch eine schwierige Persönlichkeit sein konnte und dass in den letzten Jahren viel auf ihn eingeprasselt ist. Ich bedauere es sehr, dass sich unsere Wege trennten und wir nicht mehr den gewohnten Kontakt hatten und bin sicher, dass er oft eine große Bereicherung für den weiteren Werdegang unserer Partei gewesen wäre. Immer setzte er voraus, dass man doch verstehen müsse, was gerade in seinem Kopf vorgeht. Seinen Gedanken zu folgen, insbesondere, wenn er einen sinnfremden Nebensatz an den vorausgehenden reihte, war nicht immer leicht. Es war aber immer lohnend, dran zu bleiben. Er gehörte nicht zu denen, die dir sagen, wohin man fährt, sondern wann man links oder rechts abbiegen soll. Diese Art hat mich oft zur Weißglut getrieben. Heute verstehe ich, warum es manchmal sinnvoll und richtig ist, nicht immer mit der Tür ins Haus zu fallen.

Mit ihm geht ein Ausnahmetalent, das seinesgleichen sucht. Oft liest man, dass Peter mein politischer Ziehvater gewesen ist. Und wie das wohl immer so ist, versucht man, sich von dieser einem übergestülpten Autorität zu lösen. Heute sehe ich das gelassener und bin dankbar und froh, dass ich nicht in die „Fänge“ eines minder begabten Politikers geraten bin, der mir zugleich ein Freund war. Mein Archiv ist randvoll mit Bildern und Erinnerungen. So viele Erlebnisse, Veranstaltungen und Momente aus über 25 Jahren auf der Straße und in den Parlamenten. Gemeinsam besuchten wir Demonstrationen und arbeiteten in Landtagen. Wie oft habe ich ihn bei Streitigkeiten mit anderen verteidigt, wie oft hat er mich verteidigt und wie oft habe ich mich maßlos über ihn geärgert. Wie oft war ich froh, jemanden mit seiner Erfahrung um Rat und Meinung fragen zu können. Wie oft haben wir gemeinsam politische Strategien ausbaldowert und dennoch hitzig gestritten. Wahrscheinlich habe ich von niemandem so viel über Politik, Medien und Kommunikation gelernt, wie von ihm.

Lieber Peter, Dir blieb die gebührende Anerkennung oft versagt. Ich hoffe und wünsche Dir, dass Du Deinen Frieden gefunden hast und dass wir dereinst wieder gemeinsam auf die Welt herab blicken, die Männer wie Dich nötig hat.

Dein Kamerad und Freund
Frank

1 Kommentar

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Die Nachricht von seinem Ableben hat mich sehr überrascht. Ich wusste gar nicht, dass er so schwer krank war.Möge er in Frieden ruhen.

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